Die Festivalsaison läuft auf Hochtouren. Doch hinter der Vielfalt der Bühnen konzentriert sich der Markt auf wenige Unternehmen: Live Nation, CTS Eventim, AEG und Superstruct kontrollieren mehr als 150 Festivals und über 100 Venues in Europa. Besonders Live Nation steht wegen seiner Marktmacht im Fokus. Im April 2026 entschied eine US-Jury, dass Live Nation ein illegales Monopol betrieben und seine Monopolmacht rechtswidrig aufrechterhalten hat.
Für Aufsehen sorgte 2024 die Übernahme von Superstruct durch die Investmentfirma KKR. Zum Superstruct-Portfolio gehören Festivals wie Wacken, Sónar Barcelona und Boiler Room. Mehr als 80 Künstlerinnen und Künstler unterstützten einen offenen Brief. Ihre Kritik: KKR investiert auch in die Rüstungsindustrie – Gewinne aus der Festivalkultur fließen so in einen Konzern, dessen Geschäfte aus ihrer Sicht den Werten der Szene widersprechen.
TRACKS fragt, welche Folgen diese Entwicklung für die Club- und Festivalkultur hat. CTM-Kurator Michail Stangl warnt vor einer schleichenden Monokultur, Erica Romero Pender vom Netzwerk Live DMA erklärt, wie Konzerne durch Booking, Ticketing, und Location große Teile der Wertschöpfungskette kontrollieren – mit Folgen für Vielfalt und Preise. DJ Aya sagte aus Solidarität einen Boiler-Room-Auftritt ab, spielt aber weiterhin beim Sónar. Für sie geht es nicht um moralische Reinheit, sondern darum, Widersprüche sichtbar zu machen und die Debatte weiterzuführen, wo sie das Publikum erreicht. TRACKS zeigt, wie eng Clubkultur und globales Kapital verflochten sind – und stellt die Frage, wem Kultur gehört.