Hier gibt George Gershwin den Ton an: Auf geniale Weise verbindet er klassische Musik und Jazz so selbstverständlich miteinander, dass die Grenzen zwischen Kunst- und Popmusik nahezu verschwimmen. Ein Aufenthalt in Havanna inspirierte ihn zu seiner mitreißenden Cuban Overture, deren pulsierende Energie von Rumba-Rhythmen geprägt ist.
Auch in seinem Klavierkonzert in F-Dur, das Riccardo Chailly als das "erste amerikanische Klavierkonzert" bezeichnet, bestimmen Charleston und Blues das musikalische Geschehen. Gershwin selbst sprach beim Finale von einer "rhythmischen Orgie" – ein Werk wie geschaffen für einen grenzüberschreitenden Künstler wie Frank Dupree, der mit überschäumender Energie und ansteckender Spielfreude begeistert.
Der zweite Teil dieses Eröffnungskonzerts ist Charles Ives gewidmet, einem Pionier musikalischer Freiheit, der sich bewusst über Konventionen hinwegsetzte. Zwar steht seine Erste Symphonie noch in der romantischen Tradition, doch verleiht ihr ein unerschütterlicher Optimismus eine unverkennbar amerikanische Prägung. Vor allem aber überzeugt sie durch ihre beschwingte Mischung aus prächtigen Melodien, wilden Ausbrüchen, bewegenden Gospelklängen und mitreißenden Marschrhythmen – kurz: durch Unterhaltung auf höchstem Niveau.
Aufzeichnung vom 14. August 2026 beim Lucerne Festival 2026.