Als die Tigerpopulation um 1970 auf dem Tiefstand von nur noch 1800 freilebenden Tieren lag, war das ein Schock für die gläubigen Hindus, denn sie sehen im Tiger die Verkörperung der Göttin Durga. Indien startete ein Schutzprogramm für seine heiligen Raubkatzen, dass heute als weltweit vorbildlich gilt: 3600 Tiger heute, das klingt wunderbar, doch hinter der schönen Zahl verbirgt sich eine konfliktbeladene Realität. Für den Schutz der Tiger erweiterten die Behörden die Naturschutzgebiete, dafür siedelten sie ganze Dörfer um, und sie schufen damit auch Zonen, in denen Tiger und Menschen nebeneinander leben. Das wurde in den letzten Jahren immer schwieriger, auch tödlich: In den Sundarbans, den größten Mangrovenwäldern der Welt, dem Lebensraum des Bengalischen Tigers, starben in den letzten 15 Jahren über 500 Menschen durch Tigerattacken. Die Familien in den Dörfern verloren durch die Tiger ihren traditionellen Ernährer und gerieten in Not. Und der traditionelle Aberglaube ächtet die Frauen dieser Männer auch noch als „Tigerwitwen“.
Hilfsorganisationen kämpfen gegen diesen Aberglauben und sie helfen den Opfern der Tiger, ihr Leben wieder neu aufzubauen. Denn Indiens Regierung steht vor einem Dilemma: Sie wollen die Tiger als nationale Wahrzeichen schützen, aber auch die Menschen, die dort mit ihnen leben.