Mit der Veröffentlichung von "Der Krieg der Welten" revolutionierte der Schriftsteller, Wissenschaftler und Politiker H. G. Wells 1898 die Literatur und legte den Grundstein für die moderne Science-Fiction. An der Schwelle zum 20. Jahrhundert, das den unaufhaltsamen Aufstieg von Industriegesellschaft, Wissenschaft und Technologie mit sich bringen sollte, schuf er ein neues Genre, um Kritik an den gesellschaftlichen Entwicklungen und am Fortschritt im Allgemeinen zu üben. George Orwell sagte über Wells, kein moderner Schriftsteller habe seine Zeitgenossen so tiefgreifend beeinflusst, wie er. Der Roman schlug ein wie eine Bombe: Die Vorstellung vom feindseligen Marsmenschen verbreitete sich wie ein Lauffeuer und sollte nicht mehr aus den Köpfen zu tilgen sein.
"Der Krieg der Welten" thematisiert dabei die Angst, von unbekannten Mächten vernichtet zu werden, gegen die man nichts ausrichten kann. Die Handlung spielt auf dem Höhepunkt des westlichen Imperialismus, als die europäischen Mächte dank ihrer militärischen Übermacht den Großteil der Welt unter sich aufgeteilt hatten. Wells nahm sich etwas für damalige Verhältnisse Ungeheuerliches heraus und vertauschte die Rollen: Nun war es an der westlichen Zivilisation, von gnadenlosen Monstern überfallen und wie eine minderwertige Spezies behandelt zu werden. Damit war der Autor seiner Zeit weit voraus.
Wells' Werk wurde tausendfach adaptiert, je nach Zeitgeist und aktuellen Ängsten: bei Orson Welles war es der Aufstieg des Faschismus, bei Byron Askin der Kalte Krieg, bei Steven Spielberg der Terrorismus, bei Tim Burton der amerikanische Imperialismus und bei jüngeren Umsetzungen die ökologischen Katastrophe.